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Geschichte der offenen Pforte
siehe auch: Offene Pforten - Adressen
/ Bücher zur Offenen Pforte
Bonn (dpa/gms) - Den Anfang machte Hannover: 1990 wurde in der Landeshauptstadt
Niedersachsens die Aktion «Die offene Gartenpforte» gestartet,
inzwischen locken dort mehr als 80 Privatgärten zum Blick hinter den
Zaun. Andere Regionen zogen nach. Mittlerweile können Interessierte
auch in Ostfriesland oder dem Emsland, in der Pfalz oder in Schwaben Blicke
in grüne Paradiese von Hobbygärtnern werfen.
Wie viele «offene Gartenpforten» es in Deutschland insgesamt
gibt, lässt sich angesichts der Fülle an teils nur lokal bekannten
Initiativen nur schwer schätzen. Fest steht aber: Das Interesse ist
so groß wie noch nie.
Begonnen hat das Phänomen vor mehr als 75 Jahren in England.
Dort litt damals das Queen's Nursing Institute, das Krankenschwestern in
die Armenviertel der Städte entsandte, an akuter Geldnot. Um diese
zu lindern, entstand die Idee, besonders schöne private Gärten
für «a shilling a head» - einen Schilling pro Kopf - an
bestimmten Tagen zu öffnen. Bei Gartenbesitzern wie Besuchern stieß
das Angebot auf ungeheures Interesse.
Bereits im ersten Jahr standen 609 Gärten zur Besichtigung offen.
Mehr 8000 Pfund, damals eine fantastische Summe, wurden eingenommen. Wenig
später lag die erste Ausgabe des «Gelben Buchs» vor, das
seither alljährlich neu die offenen Gärten mit kurzer Beschreibung
und Öffnungszeiten verzeichnet. Heute nehmen 3500 Gärten am «National
Gardens Scheme» teil und verzeichnen pro Jahr rund 12 Millionen Besucher.
Von England schwappte die Idee über die Umwege Australien, USA,
Belgien und Niederlande nach Deutschland, allerdings ohne sozialen Hintergrund.
Der Zutritt zu den Gärten ist hier meist kostenfrei, erhoben wird
höchstens ein kleine Aufwandsentschädigung für die Gartenbesitzer.
Schließlich sehen sich diese mitunter großem Besucherandrang
gegenüber.
Was macht die «Offene Gartenpforte» so attraktiv? Eine
große Rolle spielt die Neugier: Das Betreten privater Gärten
ist ein Ausflug in sonst versperrtes Terrain, wo sich Überraschungen
auftun und erstaunliche Schönheiten verbergen. Zudem besteht Gelegenheit,
mit anderen Gartenfreunden ins Gespräch zu kommen und zu fachsimpeln.
Oft gehört auch ein Austausch von Samen- und Stecklingen dazu, und
manche Gartenbesitzer laden sogar zu einem Tässchen Tee auf der Terrasse.
Die «schrankenlose» Bewunderung vieler Besucher gilt
zum Beispiel einem Garten in Kranenburg am Niederrhein: Je nach Jahreszeit
gibt es dort die Pracht zahlreicher Kameliensorten zu bewundern. Später
überwältigen Rhododendren und schließlich die Blüten
der Lorbeerrosen, Fachleuten als Kalmia bekannt. In Bernau bei Berlin gilt
es einen Weigelien-Garten zu entdecken: 59 Arten und Sorten füllen
ihn im Mai und Juni mit zauberhaften Farben. Viele Besucher betrachten
den Allerweltsstrauch danach mit anderen Augen.
In Allmannshofen in Bayern wartet ein aufwendig restaurierter historischer
Garten auf Gäste. Formgehölze, historische Rosen und üppige
Staudenpflanzungen geben dem streng gegliederten Garten Atmosphäre.
Immer der Nase nach zieht es Gäste durch
einen romantischen Garten bei Kamen (Nordrhein-Westfalen). Duft- und Aromapflanzen
halten dort nicht nur Beete und Töpfe besetzt. Aromawolken wirbeln
auch auf beim Schreiten über Minz- und Thymianwege oder unter Rosenbögen
hindurch.
Die harmonische Verbindung von Gartengestaltung, Kunst und Natur
lässt sich hoch im Norden in Wittensee in Schleswig-Holstein erleben.
Dort können Gäste im August und September in den Goldtönen
nordamerikanischer Blütenpflanzen schwelgen. Besucher des «offenen
Gartens» im rheinischen Bedburg-Hau erwartet ein wahrer Farben- und
Formenreigen. Mal dominiert Purpur, dann kühles Weiß, dann wieder
die lebendige Farbigkeit eines Cottagegartens. Rosen haben genauso ihren
Raum wie üppiges Gemüse oder Duftpflanzen.
Die Dimensionen der Gärten mit «offener Pforte»
sind höchst unterschiedlich. Mal ist es eine nur 70 Quadratmeter kleine
grüne Oase, dann wartet ein Park mit 15 000 Quadratmeter Fläche
auf Gäste. Wer auf sich die Suche nach den schönsten Gartenparadiesen
machen will, wird am sichersten im Internet fündig.
Quelle:
dpa-Artikel vom 10.04.2003
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